Tagebuch

01.08.2022          Das grüne Geld der EU

Im Rahmen neuer EU-Regelungen (Mifid II genannt) müssen Finanzinstitute und Vermögenverwalter bei ihrer Beratung künftig die Meinung der Kunden zu nachhaltigen Geldanlagen abfragen. Angesichts der Probleme, die der Klimawandel für Wirtschaft und Gesellschaft bringt, ist das eine gute Absicht. Doch ihre Umsetzung wird in der Praxis eher scheitern. Das beginnt schon im Ansatz mit der von der EU ausgearbeiteten Taxonomie, die klimafreundliche Wirtschafszweige aufzeigt, und wo sich (‚für eine Übergangszeit‘) aber auch Atom- und Gas finden. Es geht weiter mit der Auslegung des Begriffs ESG (aus dem Englischen für Environmental, Social, Governance), der sich für nachhaltige Geldanlagen eingebürgert hat. Er wird zu oft nach Bedarf ausgelegt. Fachleute stellen fest, dass nahezu jedes Unternehmen in eines der Raster passt, die sich der jeweilige Berater aussucht. Ich habe diese Problematik in meinen beiden Büchern ausführlich erläutert. Die nächste Hürde ist die Qualität der Berater, über die ich dort ebenfalls informiert habe. Seitdem auch bei den Banken allein zählt, was an der Beratung verdient wird, wurde es dort zum wichtigsten Kriterium. Warum sollte sich daran etwas ändern, zumal der Berater sich erst intensiv mit den ESG-Bedingungen beschäftigen müsste.
Ein gewisser Trost ist es, dass die Investitionen in grünes Geld, was immer man auch dafür hält, sich nach fast dreißig Jahren im Schattendasein in den letzten Jahren immerhin sprunghaft entwickelt haben auf fast 17 % aller Geldanlagen – aber wohl eher, weil die Anleger sich dort künftig bessere Renditen erhoffen. Seien wir dennoch optimistisch. Es ist vielleicht ein winziger aber immerhin ein Schritt in Richtung der dringend notwendigen wirtschaftlichen Transformatio